Kamado einbrennen: beim ersten Brand eine Stunde bei 120 bis 150 °C halten, danach eine halbe Stunde bei 200 bis 230 °C, dann vollständig auskühlen lassen. Das schont Glasur und Dichtung — ab dem zweiten Mal nutzen Sie den vollen Temperaturbereich.
Ein neuer Keramikgrill sollte nicht mit einem Pizzabrand bei 320 °C anfangen. Der erste Brand entscheidet darüber, wie lange Dichtung und Glasur halten — und er dauert weniger als zwei Stunden.
Warum überhaupt einbrennen
Keramik und Glasur dehnen sich beim Erhitzen aus, und zwar unterschiedlich schnell. Ein sofortiger Sprung auf hohe Temperatur bringt diese Spannungen alle auf einmal ins Material. Dazu kommt die Fiberglas-Dichtung: Sie setzt sich beim ersten Erwärmen und schließt danach dauerhaft dicht — wenn man ihr die Zeit lässt. Wer beim ersten Mal Vollgas gibt, riskiert genau die beiden Teile, die einen Kamado ausmachen.
Kamado einbrennen: der Ablauf
1. Grill vollständig aufbauen, Hitzedeflektoren einsetzen, Feuerbox nur zu etwa einem Drittel füllen.
2. Anzünden und beide Lüftungsklappen weit öffnen, bis die Kohle durchgezündet ist.
3. Auf 120–150 °C einregeln und diese Temperatur eine Stunde halten. Deckel dabei geschlossen lassen.
4. Danach langsam auf 200–230 °C gehen und weitere 30 Minuten halten.
5. Beide Klappen schließen und den Grill vollständig auskühlen lassen — nicht mit Wasser nachhelfen.
Ab dem zweiten Brand können Sie den vollen Temperaturbereich nutzen.
Kamado einbrennen: was Sie nicht tun sollten
Kein Wasser und kein Spülmittel im Innenraum: Keramik ist porös, nimmt beides auf und gibt es beim nächsten Aufheizen ab — Spülmittel ans Grillgut, Wasser als Dampfdruck ins Material. Und keine Grillanzünder auf Petroleumbasis; der Geruch setzt sich in der Keramik fest. Anzündwürfel aus Holz oder Wachs sind die richtige Wahl.
Was das erste Mal leichter macht
Ein Kohlekorb hilft schon beim Einbrennen, weil er die kleine Kohlemenge zusammenhält und den Luftweg frei lässt — genau das, was eine stabile niedrige Temperatur braucht. Hitzebeständige Handschuhe gehören ebenfalls von Anfang an dazu.
Danach: Asche und Pflege
Nach dem Auskühlen die Asche entfernen — sie zieht Feuchtigkeit und setzt die untere Belüftung zu. Mit einem Easy Clean-Aschebehälter wird sie herausgezogen statt herausgekratzt. Den Innenraum niemals schrubben: Er reinigt sich, indem Sie den Grill gelegentlich auf 250–300 °C ausbrennen lassen.
Alle Modelle der Evolve Ultra-Serie werden mit Hitzedeflektoren, zweiteiliger Feuerbox und Regenhaube geliefert, sodass Sie für den ersten Brand nichts nachkaufen müssen.
Häufige Fragen
Muss ich das Einbrennen wiederholen?
Nein, einmal genügt. Nur wenn Sie die Dichtung ersetzen, lohnt ein weiterer langsamer Brand.
Die Glasur hat feine Linien bekommen — ist das ein Riss?
Feine Haarlinien in der Glasur sind normal und beeinträchtigen die Funktion nicht. Der Keramikkörper darunter ist davon unberührt.
Wie lange dauert das Auskühlen?
Mehrere Stunden. Legen Sie die Regenhaube erst auf, wenn der Grill vollständig kalt und trocken ist.
Kamado einbrennen: woran Sie merken, dass es geklappt hat
Ein gelungener erster Brand zeigt sich nicht am Grill, sondern am Verhalten danach. Die Dichtung schließt satt, der Deckel fällt beim Loslassen nicht durch, und wenn Sie beide Klappen zumachen, erlischt die Glut innerhalb weniger Minuten. Brennt das Feuer weiter, zieht irgendwo Luft — dann lohnt ein zweiter, ebenfalls langsamer Durchgang, bevor Sie zum ersten Mal auf Pizzatemperatur gehen.
Feine Haarlinien in der Glasur sind dabei kein Alarmzeichen. Sie entstehen durch die unterschiedliche Ausdehnung von Glasur und Keramikkörper, sind bei glasierten Grills üblich und haben mit der Funktion nichts zu tun. Wer den Kamado einbrennen will, ohne sie zu bekommen, kann sie allenfalls verzögern, nicht verhindern.
Was beim Brennen mit Glasuren technisch geschieht, erklärt der Wikipedia-Artikel zur Keramikglasur.
Häufige Fragen zur Inbetriebnahme
Darf ich beim ersten Brand schon Fleisch auflegen?
Besser nicht. Der erste Brand dient dem Material, und die Temperaturen liegen unter dem, was für ein gutes Ergebnis nötig wäre. Nutzen Sie den zweiten Durchgang für das erste Grillgut.
Riecht der Grill beim ersten Mal?
Ein leichter Geruch nach Dichtung und Fertigungsrückständen ist normal und verschwindet innerhalb des ersten Brands. Bleibt er, prüfen Sie, ob Verpackungsreste oder Aufkleber im Inneren vergessen wurden.



